previous ecostory 80/2008 next
"PSEUDOWISSENSCHAFT: Der Öko-Fundi - die Tiraden von Prinz Charles"
"A Royal Muddle" or an "Editorial Muddle" at the Financial Times?
The genetic engineering believers calling Prince Charles a "Luddite"

home | climate | energy | sustainability | water | back
Der "Spiegel" greift das Thema ebenfalls auf und zieht den Prinzen von Wales nach bester Art der Regenbogenpresse durch den Dreck (im Magazin und auf der Webseite)

Der Spiegelbericht verdreht die Fakten und täuscht die Leserschaft mit falschen und aus dem Zusammenhang gerückten Zitaten.

Der kleinkrämerische Sensationsjournalist Marco Evers hat vom grösseren Zusammenhang nichts verstanden, von den allgemeinen ökologischen Fehlentwicklungen, die der britische Tronfolger den Grossunternehmen anlastet. Vielleicht soll man dem Herrn Marco Evers zu gute halten, dass der Prinz sich unzimperlich und ohne weitere Erklärungen ausdrückt, wenn man den Originalbericht in der Daily Telegraph als Ausgangspunkt nimmt.
    Der Prinz von Wales:
    "We're all run by gigantic corporations. Is that really the answer? I think not. I'm terribly sorry but I think that would be the absolute destruction of everything and the most unsustainable and a classic way of ensuring that there is no food in the future. Because if they think that this is the way to go and we end up with millions of small farmers all over the world being driven off their land and into unsustainable, unmanageable, degraded and disfunctional conurbations of unmentionable awfulness. Then you count me out. And I think it will be the absolute disaster. What we should be talking about is food security not food production. That's what matters and that's what people worry about, understand. And if they think also, by the way, that somehow it's all going to work because they're going to have one form of clever genetic engineering after another, then again count me out because that will be guaranteed the cause of the biggest desaster, environmentally, of all time."
Dieser Teil des Berichtes, der im Internet als Hörtext abrufbar ist, wird von der Daily Telegraph gestückelt wiedergegeben und kann leicht irreführen. Die Financial Times hat die leicht missverständliche und ungehobelte Kritik an die Grossfirmen dankbar zum Anlass genommen, den Prinzen als Maschinenstürmer (Luddite) zu verteufeln.

Kernpunkt ist, dass die Gentech-Industrie behauptet, die genetische Modifikation von Pflanzen sei nötig, um eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.
Das ist wissenschaftlicher Unsinn weil man erstens nie erwarten kann, dass die Genmanulation je mit dem Bevölkerungswachstum wird Schritt halten können (auch wenn sie erfolgreich wäre und Mehrerträge erbrächte) und zweitens brauchen Mehrerträge mehr Nährstoffe und Düngemittel und diese werden immer rarer wegen des Rohstoffmangels und der Erschöpfung der Böden.

Das britische "Institute of Science in Society" hat die fehlerhaften Behauptungen zu Gunsten der Gentechnik in der Landswirtschaft klar widerlegt: "Why Prince Charles is Right"


  • Final report on world's most comprehensive field trials says oil seed rape varieties would harm wildlife and environment
  • Brief an Herrn Bundesrat Joseph Deiss (2004) in Sachen Nachhaltigkeit und Raumplanung
  • Nachhaltigkeit und Wachstum in der Schweizer Verfassung
        Your comments?
  • back home | a-z site map ecostory | feedback top
    ecoglobe since 1997
    8823
    P S E U D O W I S S E N S C H A F T

    Tirade der Ignoranz

    Von Marco Evers, Der Spiegel, 34/2008, Seite 126 ©

    Schon häufiger blarnierte sich Prinz Charles mit Redeschwallen von bemerkenswerter Ahnungslosigkeit. Jetzt schwadronierte der Thronfolger über die Genlandwirtschaft.

    Am 14. November feiert Prinz Charles seinen 60. Geburtstag, ein denkwürdiges Jubilaum: Wahrend viele Gleichaltrige bereits in Rente sind, wartet der ewige Thronfolger immer noch auf den ersten richtigen Arbeitstag. Kein Prince of Wales hat in der britischen Geschichte so lange auf seine Krone warten müssen - niemand aber auch dürfte sich dabei so dämlich angestellt haben.

    Der ökobewegte Gutsherr nervt das Land (wie wohl auch seine Mutter, die Queen der Contenance) mit Anfällen von maligner, vielleicht sogar präseniler Logorrho. Ohne Not gibt er immer wieder hochobskures Zeug von sich. Unvergessen, wie er sich im mitgeharten Telefonat wünschte, ein Tampon zu sein im SchoBe seiner geliebten Camilla. Wenn Hoheit aber mit Analysen aus eigenem Öko-Anbau freiwillig an die Öffentlichkeit tritt, dann wird es eher noch peinlicher, denn Gedankenschärfe, Informiertheit und Reflexion sind seine Sache nicht.

    Mal empfiehlt der Wüterich den Biobauern, zu ihrem Gemüse zu sprechen ("für beste Ergebnisse"), dann wieder fordert er, dass Großbritannien die EU verlassen sollte - damit sich das Land in "eine Bio-Oase" verwandeln könne.

    Vorige Woche war es wieder so weit. Auf einem Nebenschloss im schottischen Hochland empfing der im Kilt gewandete Royal einen Reporter des "Daily Telegraph" zum Landwirtschaftspalaver - und übergoss ihn im Sessel auf- und abhüpfend mit einer Tirade der Ignoranz.

    Genetiker im Dienst multinationaler Konzerne seien im Begriff, die Welt in den Abgrund zu reißen. Wegen genveranderter Pflanzen stehe nichts Geringeres an, so der Nostradamus aus dem Hause Windsor, als "die gr6Bte Umweltkatastrophe alier Zeiten". Die heutige Agrarwirtschaft führe zwangslaufig dazu, "dass es in Zukunft keine Nahrungsmittel mehr" gebe. "Riesenhafte Konzerne" würden Millionen kleiner Bauern von ihrem Land vertreiben - in Slums von "unaussprechlicher Schrecklichkeit".

    Die "cleveren" Forscher der Saatgutfirmen stellten ein "gigantisches Experiment mit der Natur und der gesamten Menschheit an", tat der Thronfolger kund. Jetzt schon sei das Experiment mit den Lebensmitteln "vollkommen misslungen" - "warum sonst haben wir all diese Probleme, globale Erwarmung und so?"

    Tatsachlich haben genveranderte Lebensmittel mit der Klimaanderung so viel zu tun wie Saddam Hussein mit dem 11. September. Genmanipulierte Pflanzen sind umstritten, vor allem unter westlichen Konsumenten. In Indien, China, Brasilien, Südafrika und den USA aber werden Genmais, Genbaumwolle oder Gensoja mit großem Erfolg angepflanzt. Seit über zehn Jahren werden diese Sorten eingesetzt. Voriges Jahr hatten zwölf Millionen Bauern Genpflanzen auf 114 Millionen Hektar angebaut, was der dreifachen Fläche der Bundesrepublik entspricht. Diese Gewächse 1ösen nicht alle Probleme, aber sie ernähren Millionen Menschen, und ihr Verzehr hat nach allen bisherigen Hinweisen noch nicht einem einzigen geschadet.

    Zum Beleg seiner Thesen führte Großgrundbesitzer Charles ausgerechnet die grüne Revolution in Indien an. Die habe eine kurze Zeit lang funktioniert, jetzt aber überwögen "die Katastrophen". Der Kronprinz, der in Cambridge einst glanzlos Geschichte studierte, hatte sich auch diesen Hinweis besser gespart: Als Indien noch britische Kronkolonie war, brachte der Hunger dort Millionen Menschen um. Die grüne Revolution hat dieses Elend beseitigt. Wenn das Riesenland seine Agrarwirtschaft nach dem Vorbild von Charles' privater Öko-Farm Highgrove ausrichtete, wäre ein Massensterben unausweichlich.

    "Seine Konigliche Hoheit sollte den Mund halten in Bezug auf genveranderte Pflanzen", empfahl denn auch die Londoner "Times". Der "Independent" urteilte: Charles habe ein Recht auf eine Meinung, nicht aber auf so viel Unwissenheit. Britische Politiker nannten den Thronfolger "einen Technikfeind", der einen "Mangel an wissenschaftlichem Verstandnis" offenbare. Forscher schalten ihn "ahnungslos", "wirr" und einen "elitaren Snob".

    Fur solche Kritik liefert Merkwürden eine wohlfeile Zielscheibe. Oft sieht es so aus, als wäre Charles weder in diesem noch im' letzten Jahrhundert daheim. Dieser Mann hat tatsächlich Lakaien, die ihm die Zahnpasta aus der Tube drücken. Er lässt sein Gemüse nur dünsten in Mineralwasser seiner Lieblingsmarke. Moderne Architektur ist dem Palastzogling ein Graus ("Eiterbeulen"). Zukunftswissenschaften wie die Nanotechnologie hält er fUr mindestens so gefährlich wie Contergan.

    Zur Eindammung der Fettleibigkeit sprach sich das Blaublut unlängst für ein Verbot von McDonald's aus. Auch heutiger Medizin kann er nichts abgewinnen; stattdessen baut er auf Homöopathie und einen bunten Haufen alternativer Therapien. Auf einem Arztekongress schockte er mit der Empfehlung, Krebs doch lieber mit Kaffee-Einläufen zu heilen.

    Leute wie den Thronanwärter meinte der frühere Premierminister Tony Blair, als er von "der AntiWissenschafts-Brigade" sprach, die Fortschritt und Wohlstand gefährde. 1m Clarence House, Charles' Londoner Residenz, wird diktiert und getippt wie zu Zeiten Königin Victorias; E-Mail, Computer und Drucker waren zumindest bis 2002 seltene Pretiosen [Pretio?sen, die /nur im Pl./ [.. ziosen] lat. veralt. kostbarer Schmuck, Geschmeide: ein Kästchen mit P. (www.dwds.de)], wie ein ehemaliger Vertrauter enthüllte. Sich selbst, so berichtete der Mann weiter, sieht der Prinz gern a1s "Dissidenten", der stolz darauf ist, mit seiner Meinung oft allein zu stehen (die er aber gleichwohl auf handgeschriebenen Zetteln den zustandigen Ministem gern unter die Nase halt).

    Ware dem Konigreich gedient, wenn dieser Mochtegern-Dissident endlich die Krone tragt? Vorige Woche dürfte die Zahl der Republikaner erneut gestiegen sein.

    MARCO EVERS

    Bild-Titel: "Thronanwarter Charles: Kaffee-Einläufe gegen Krebs". Das Bild zeigt den Prinzen im Weizenfeld.

    Prinz Charles wettert über Genfood

    Der britische Thronfolger Prinz Charles hat in ungewöhnlich scharfer Form vor gentechnisch veränderter Nahrung gewarnt. Die Existenz von Bauern sei gefährdet, die Sicherheit der Lebensmittelversorgung in Gefahr.

    London - Für den Prinzen von Wales ist Gentechnik nichts anderes als Teufelszeug. Multinationale Konzerne, die derartige Agrarprodukte entwickelten, betrieben "ein gigantisches Experiment mit der Natur und der ganzen Menschheit, das völlig schiefgegangen ist", sagte der 59-Jährige in einem Interview mit der britischen Zeitung "Daily Telegraph".

    DPA Prinz Charles: "Das wäre die totale Zerstörung von allem" Die Abhängigkeit von solchen "gigantischen Gesellschaften" werde in einem "absoluten Desaster" enden, warnte Prinz Charles. "Das wäre die totale Zerstörung von allem." Die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln in der Zukunft sei nicht mehr sichergestellt. "Wir sollten über Lebensmittelsicherheit sprechen und nicht über die Lebensmittelproduktion", sagte er in dem Zeitungsinterview.

    Kommentatoren britischer Medien äußerten Verwunderung über die Schärfe der Äußerungen. "Selbst für einen Prinzen, der sich seit langem für die ökologische Landwirtschaft engagiert und die Gentechnik kritisiert, sind dies fast zu extreme Äußerungen", kommentierte der Sender BBC. Charles lege sich dadurch mit der Regierung an, die bereits im Jahr 2000 grünes Licht für die Gentechnikforschung gegeben habe.

    Das Landwirtschaftsministerium reagierte zurückhaltend. "Wir haben stets gesagt, dass die Debatte über die künftige Rolle gentechnisch modifizierter Pflanzen wichtig ist, und wir begrüßen alle Meinungsäußerungen in dieser Debatte", sagte eine Sprecherin. "Die Sicherheit wird bei diesem Thema stets die höchste Priorität haben."

    Seit dem Jahr 2004 müssen solche gentechnisch veränderte Lebensmittel in der EU gekennzeichnet werden. Die Akzeptanz für derartige Produkte ist allerdings gering, weshalb sogenanntes Genfood in Westeuropa auch kaum verkauft wird - ganz im Unterschied zu den USA. Weit häufiger werden genetisch veränderte Pflanzen aus Tierfutter genutzt - auch in Europa.

    Manche Wissenschaftler halten die Gentechnik für den einzigen Weg, um die wachsende Menschheit auch in Zukunft satt zu bekommen. Kritiker werfen Agrarkonzernen jedoch vor, mit bestimmten Pflanzenarten vor allem den Absatz eigener Pflanzenschutzmittel steigern zu wollen. Das Genom von Nutzpflanzen kann nämlich so verändert werden, dass die Pflanzen gegen bestimmte Insektizide resistent sind. Entsprechend höher könne das Pflanzenschutzmittel dosiert werden und entsprechend höher seien die Erträge, erklären die Saatguthersteller, die in der Regel zugleich die Insektizide produzieren.

    Nicht zum ersten Mal hat sich der Prinz von Wales in eine wissenschaftlich-politische Debatte eingemischt. Vor zwei Jahren schwärmte er vor der Weltgesundheitsorganisation WHO von den "heilenden Kräften" der ganzheitlichen Medizin - zum Ärger britischer Top-Ärzte (mehr...).

    hda/dpa

    Urheberrecht: Der Spiegel. Wiedergabe nur für Kommentar und wissenschaftliche Zwecke. Quelle= Spiegel on-line 21.8.2008